Was hat der Pazifik mit mir zu tun?

 

Viele finden mich ziemlich komisch, dass ich mein Leben mit möglichst wenig Müll darin führen will.
Ich ernte erstaunte Blicke und oft ein „Das könnte ich nicht!“.
Heute möchte ich euch mal einen Grund zeigen, der mich dazu bewegt hat, vor allem meinen Konsum von Plastik grundlegend zu reduzieren.

The Great Pacific Plastic Patch

Im Pazifik, genauer im Nordpazifikwirbel, der zwischen Japan und der Küste der Westküste der USA liegt, schwimmt eine Plastiksuppe. Hier sammeln sich aufgrund der Strömungen im Meer allerhand Plastikteile, die zuvor irgendwie in die Flüsse und an die Küsten ins Meer gelangt sind.
Diese Teile schwimmen also im Meer und werden durch die Sonneneinstrahlung und Meeresbewegungen in immer kleinere Teile zerkleinert, bis sie irgendwann „Mikroplastik“ sind.
Dieser „Müllberg“ ist also nicht unbedingt mit bloßem Auge sichtbar. Unter dem Mikroskop aber schon.
[Falls sich jemand nicht unbedingt wissenschaftliche Artikel zu dem Thema durchlesen will, sondern eine interessante (aber englische) Doku ansehen mag: Es gibt eine ca. 40 minütige Doku von VICE auf youtube.]

Das problematische am Mikroplastik ist, dass es von Kleinstlebewesen und Fischen gefressen wird. Somit landet es in der Nahrungskette. Und somit auch in uns.

Über den „Great Pacific Plastic Patch“ gibt es online ziemlich viel zu lesen, da dürft ihr gerne weiter recherchieren wenn euch das interessiert.
Trotzdem könnte man meinen, dass das sehr weit weg ist und mit uns nichts zu tun hat.

Aber schon 2013 hat der NABU einen Artikel über den Müll in Nord- und Ostsee veröffentlicht.

 

Ich finde das ganz schön gruselig. Das Meer ist voll von Plastik, das da herum dümpelt und sowohl Natur, Tier und Mensch beeinflusst und zerstören kann. Die Kunststoffe haben nämlich erwiesenermaßen negative Auswirkungen auf den Menschen und seine Gesundheit.

Außerdem werden durch frei treibende Netze und Plastikteile im Meer Tiere gefährdet und getötet.

Das problematische an der Sache ist, dass das Plastik nicht einfach „weg“ geht.

„Every little piece of plastic manufactured in the past 50 years that made it into the ocean is still out there somewhere,“ said Tony Andrady, a chemist with the US-based Research Triangle Institute.

Wären wir also bereit, von heute auf morgen ein plastikfreies Leben zu führen, hätten wir trotzdem noch mit ziemlich viel Plastik auf unserem Planeten zu kämpfen.

Was das für mich bedeutet:

Ich bin bereit! Ich will etwas ändern! Und ja, jetzt wird irgendein Schlaumeier kommen und sagen: „Aber in Deutschland ist das doch gar nicht so ein großes Problem. Wir haben hier schließlich ein gutes Abfallsystem.“ Ja, das haben wir.

Und dennoch bin ich als Konsument in dieser globalisierten Welt mit dem Fabrikarbeiter in China verbunden, der die Plastikförmchen für den Sandkasten meines Kindes

herstellt. Und dort gibt es Müll, der entsteht und der vielleicht nicht so gut verwertet wird wie hier bei uns.

Ich entscheide als Konsument, was auf dem Markt ist und was nicht. Und ich lasse Firmen durch meinen Konsum weiter leben.
Unterstützen will ich aber das, was ich gut finde und wo ich dahinter stehe und nicht einfach nur das, was bequem ist und einfach.

Weil: Es ist nicht immer einfach, Zero Waste zu praktizieren. Aber ich will nicht mein Leben und das Leben unseres Planeten aufs Spiel setzen, nur weil ich unbedingt das Peeling mit den Microperlen benutzen will. Oder weil die Plastikförmchen so schön bunt sind.

Schwarzes Gold ganz ohne Verpackung

 

Wenn ich erzähle, dass ich versuche möglichst keinen Müll zu produzieren, fragen mich Leute immer:
„Aber wie machst du das mit […], das geht doch gar nicht!“

Das finde ich immer eine ziemlich gute Frage und ich versuche deshalb, hier eine neue Rubrik zu eröffnen, wo ich über die Dinge schreibe, die ihr mich so fragt.
Also los geht’s: Hinterlasst mir einfach mal einen Kommentar, was euch so interessiert oder fragt mich persönlich, dann kann ich gerne mal nen Beitrag dazu verfassen. Es interessiert sicherlich noch mehr!

Heute also: Wie ich Kaffee kaufe.

Das ist eigentlich ganz einfach:
Ich hole mein „Kaffeeglas“, es sollte gespült sein und sauber. Das bringe ich dann zur Kaffeerösterei meines Vertrauens. In meinem Fall ist das Familie Fröhlich, die mit ihrer Kaffeerösterei im Stuttgarter Westen einen Kaffeebanausen wie mich noch bekehren konnte.
Ich strecke mein Glas über die Theke und sage, dass ich gerne 250g Kaffee für die French Press hätte.
„Meine“ Sorte war bisher immer Java (schokoladig!), heute habe ich aber einmal die Wiener Kaffeehausmischung gekauft und bin gespannt, wie die schmeckt (ich wollte es ein bisschen kräftiger).
Frau Fröhlich (senior oder junior) wiegt die Bohnen ab und gibt sie in die Mühle. Von dort landet der Kaffee dann direkt ohne Umwege in meinem Glas.
Und: Ich bekomme durch mein Glas sogar 10 Cent Rabatt!

Mein Kaffeeeinkauf

Mein Kaffeeeinkauf

Beim ersten Einkauf habe ich auf mein Glas noch einen Sticker bekommen, der jetzt auf dem Deckel klebt. Den brauche ich aber eigentlich nicht und kann auch darauf verzichten. Zu Demonstrationszwecken habe ich ihn jetzt aber kleben gelassen.

 

So einfach geht es also.
Lasst mich wissen, was euch noch interessiert!

 

 

Was ich zum Einkaufen mitnehme

 

Heute will ich euch zeigen, wie ich möglichst verpackungsfrei einkaufen gehe.

Ich kaufe viel beim Edeka bei uns ums Eck ein, zum Wochenmarkt habe ich es seit dem letzten Eintrag wieder nicht geschafft…

Aber auch im Supermarkt kann man praktisch kunststoff- und verpackunsfrei einkaufen, wenn man sich etwas vorbereitet.
Ich brauche:

  • Einen Eierkarton
  • Baumwollsäckchen in verschiedenen Größen
  • saubere Gläser (wenn ich in den verpackungsfreien Laden bei uns in der Nähe gehe)

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Ich kann beim Edeka lose Eier kaufen, die packe ich einfach in meinen Karton. Und Obst und Gemüse kann man hier selbst auf der Waage abwiegen. Ich suche mir also z.B. die fünf Karotten, lege sie auf die Waage, lasse den Aufkleber mit dem Barcode raus (ja, das ist leider unvermeidbar…) und stecke die Karotten in mein Baumwollsäckchen. Kleber drauf, fertig.

Zur Zeit kaufe ich Nudeln noch im Pappkarton, das habe ich noch nicht im verpackungsfreien Laden gekauft. Aber dort bekomme ich z.B. Mandeln und andere Nüsse, mit Schoko überzogene Rosinen und vieles mehr.

Meine Einkäufe bestehen sowieso zum Großteil aus Obst und Gemüse und noch einigen Milchprodukten (Milch, Sahne, Joghurt), die ich allesamt im Pfandglas kaufe. Reis und andere Getreideprodukte habe ich noch vorrätig, das wird spannend wenn das leer wird…

 

Warum braucht die Banane einen Aufkleber??

In den letzten Wochen habe ich ein Stickeralbum angefangen.

Leider werdet ihr hier aber keine Bilder von Pferdchen oder hübschen glitzernden Blumen zu sehen bekommen.

Es soll um die kleinen, teilweise auf jedem einzelnen Apfel klebenden Sticker gehen, die man in den Supermärkten findet. Ich habe die mal gesammelt um euch zu zeigen, dass man, selbst wenn man ohne Verpackung im Supermarkt einkaufen will, nicht um solche Mini-Mengen Plastik drum rum kommt.

Mancher von euch hat sich bestimmt auch schon über diese Aufkleber geärgert: Man muss sie erst mal finden und abpopeln, teilweise gehen sie aber auch gar nicht richtig ab und dann hat man noch Klebe- oder Papierreste auf seiner Banane.

Prinzipiell gilt aber, dass diese Aufkleber nicht gesundheitsschädlich sein dürfen, da sie ja direkt mit Lebensmitteln in Kontakt stehen.
Im Amtsblatt der EU zu den Verordnungen bei Obst und Gemüse steht:

„Die Verwendung von Material, insbesondere von Papier oder Aufklebern mit Geschäftsangaben, ist zulässig, sofern zur Beschriftung oder Etikettierung ungiftige Farbe bzw. ungiftiger Klebstoff verwendet wird. Einzeln auf den Erzeugnissen angebrachte Aufkleber müssen so beschaffen sein, dass ihre Entfernung weder Klebstoffrückstände noch Beschädigungen der Schale zur Folge hat.“

Man könnte meinen, dass diese Kleber da drauf sind, damit die Kassierer das Obst einfach nur über die Kasse ziehen müssen und sie daher mit einem Barcode versehen sind. Aber: die meisten „meiner“ Aufkleber haben gar keinen Barcode und zeigen eher nur Werbung oder sollen zeigen, dass der Apfel aus „unserer Heimat“ ist. Oder dass die gekauften Mangos „VIP“ sind (was hat das denn bitte zu bedeuten???)

Im Supermarkt wird ja auch sowohl konventionelles als auch Bio-Gemüse verkauft. Die Aufkleber sollen helfen, diese verschiedenen Sorten unterscheiden zu helfen. Der Kassierer weiß so besser, dass das jetzt eben Bio-Zitronen sind weil sie einen bestimmten Aufkleber haben.

Das alles kann ich natürlich nachvollziehen. Wenn damit den Kassierern bei der Flut verschiedener Produkte das Kassieren einfacher gemacht wird, ist doch okay.
Ich persönlich ärgere mich aber über diese Aufkleber, da sie natürlich Müll in meinem Haushalt anfallen lassen. Ich versuche daher, das Obst und Gemüse ohne Aufkleber auszusuchen. Dafür drehe ich auch mal 10 Äpfel um bis ich einen ohne Sticker finde.
Noch sicherer vor diesen kleinen lustigen Aufklebern wäre ich wahrscheinlich, wenn ich direkt auf dem Markt einkaufen würde. Das sollte ich vielleicht mal machen.
Aber bis dahin: Will jemand mit mir Sticker tauschen? 🙂

Viele werden sich sicher fragen, warum ich das mit der ganzen Müllvermeidung überhaupt angefangen habe.

Wie so manches in meinem Leben war es am Anfang nur eine echt verrückte Idee:
Vor der Fastenzeit im Frühjahr 2016 habe ich mir wie jedes Jahr überlegt, was und ob ich dieses Jahr fasten will. Und in meinem Kopf keimte die Idee auf, dieses Jahr doch einfach mal Müll zu fasten.

Ich kam auf das Buch „Zero Waste Home“ von Bea Johnson und habe es verschlungen.

Und seitdem bin ich beim „Fasten“ geblieben.

Ich habe vieles umgestellt in meinem Leben und werde weiter einiges verändern müssen. Wenn z.B. mein Klebstoff-Vorrat aufgebraucht ist. Oder wenn ich keine plastikfreie Mascara finde.

Es gibt noch einige Herausforderungen zu meistern und ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf meinem Weg begleitet.